Evakuierungsplakat
Im Zentrum steht ein Plakat mit Anweisungen für die Bevölkerung bei einer Evakuierung. Seine Bilder übersetzen eine gewaltige Notlage in verständliche Schritte.
Eine Wanderausstellung
Über Tschornobyl kann man in Zahlen sprechen. Oder anhand von Dingen: einem Gerätekoffer, Schutzkleidung, einer Zeitung, die vor dem Unfall gedruckt wurde. Einige zeigen wir hier. Den übrigen sollte man persönlich begegnen.
ARCHIV / 1986
Sieben Minuten aus dem Jahr 1986. Die Aufnahmen aus dem Archiv von Suspilne zeigen Beschäftigte des Kraftwerks, Liquidatoren und Bergleute. Ihre Arbeit ist im Film festgehalten.
Aufnahmen ansehen 1986 / 07:25 / SUSPILNE MEDIA ARCHIVE01 / EINFÜHRUNG
Am 26. April 1986 veränderte der Unfall in Block 4 des Kernkraftwerks Tschornobyl das Leben vieler Menschen. Schutzkleidung, Messgeräte, gedruckte Zeugnisse und künstlerische Arbeiten stehen in dieser Ausstellung nebeneinander. Jeder Gegenstand gibt diesem Datum eine menschliche Dimension.
II / AUFBAU DER AUSSTELLUNG
Sieben Bereiche der Sammlung: von persönlichen Dokumenten bis zu eigens angefertigter Schutzausrüstung. Hier zeigt sich ihre Vielfalt. Einige Stücke sehen Sie weiter unten aus der Nähe.
Ein Originalbrief des US-Vizepräsidenten Al Gore an den Akademiker Oleksandr Kljutschnykow, einen Helden der Ukraine; ein Schreiben aus dem Kernkraftwerk Fukushima (Japan, 2011); sämtliche Liquidatoren-Ausweise von 1986 bis 2015 und Kljutschnykows persönliche Auszeichnungen. Dazu kommen Unterlagen von Professor Walerij Schachowzow, Leiter des operativen Stabs am AKW Tschornobyl für die Akademie der Wissenschaften der Ukraine, sowie ein zertifizierter hochfester Bolzen des Bogens des Neuen Sicheren Einschlusses.
Silbermedaillen der ukrainischen Nationalbank mit echten Diamanten und natürlichen Rubinen; eine von O. Kowinjew gestaltete Medaille „20 Jahre AKW Tschornobyl“ aus einer Auflage von 50 Stück; ein experimentelles Klappmedaillen-Muster „Slawutytsch 1986/1991“ der Leningrader Münzstätte. Hinzu kommen die vollständige farbbedruckte NBU-Münzserie „Tschornobyl. Wiedergeburt“ mit Tieren der Zone und eine limitierte Silbermünze Niues „Tschornobyl. Tragödien der Menschheit“ von 2021.
Sowjetische und ausländische Zeitungen und Zeitschriften vom April und Mai 1986, Porzellangeschirr mit Emblemen aus der Kantine des AKW und originale Essensgutscheine. Flaschen für Mineralwasser und Cabernet-Wein erinnern an den Alltag der Liquidatoren in der Zone.
Dosimeter ID-1 und DP-5 sowie Schutzanzüge L-1 und OZK. Besonders sind die schweren, selbst gefertigten Bleirüstungen: Liquidatoren bauten sie aus Bleiblechen, um Graphittrümmer vom Dach des dritten Blocks zu räumen.
Dokumentarfilme von Wissenschaftlern, aufgenommen unter dem Sarkophag im vierten Block, und limitierte, im Dunkeln leuchtende Schallplatten „Klänge von Tschornobyl“. Der interaktive Simulator „AZ-5-Knopf“ spielt freigegebene Tonaufnahmen der Dispatcher des AKW und der ersten Feuerwehrkräfte ab.
Eine großformatige Reproduktion von Iwan Martschuks „Madonna von Tschornobyl“ mit seiner originalen handschriftlichen Signatur; das Originalgemälde „Nachtigallenzeit“ des Liquidators Petro Jemez; Jurij Kostenkos Farbfoto des zerstörten Reaktors aus einem Hubschrauber in den ersten Tagen nach dem Unfall; ein seltenes japanisches Fotobuch über geräumte Dörfer der Zone.
Ein künstlerisch-technisches Modell aus dekontaminierten Trümmern einer feindlichen Drohne Shahed-136 / Geran-2, die während des heutigen Krieges äußere Teile des Bogens des Neuen Sicheren Einschlusses beschädigte.
EINSATZSTAB / MEMORIALINSTALLATION
Eine Memorialrekonstruktion des Arbeitsplatzes von Waleri Schachowzow, Leiter des Einsatzstabes am Kernkraftwerk Tschornobyl für die Akademie der Wissenschaften der Ukrainischen SSR. Dokumente, Karte, Kommunikation und Messgeräte liegen auf einem Tisch. Wählen Sie einen Gegenstand aus.
Gegenstand auf dem Tisch auswählen
Im Zentrum steht ein Plakat mit Anweisungen für die Bevölkerung bei einer Evakuierung. Seine Bilder übersetzen eine gewaltige Notlage in verständliche Schritte.
Ein kleiner Ausweis gibt der Geschichte einen Namen. Der Museumspass bezeichnet Schachowzows Liquidator-Ausweis und persönliche Dinge als Originalobjekte.
Objekte aus der Nähe ansehen ↗Hinter der Schreibmaschine steht ein geöffneter Koffer. Auf einer eigenen Seite sind Hausapotheke, Dokumente, Geld, Sparbuch, Anleihen und Parteibuch aus der Nähe zu sehen.
Koffer und Inhalt näher betrachten ↗Schreibmaschine, Blätter und Mappen stehen für das tägliche Festhalten, Prüfen und Weitergeben von Informationen. Neben Messwerten gab es immer auch Worte auf Papier.
Eine Karte der Region Kyjiw und eine Kamera verbinden zwei Blicke auf das Gelände. Der Museumspass beschreibt außerdem das Modell einer Spezialkamera für Aufnahmen aus einem Mi‑8-Hubschrauber.
Objekte aus der Nähe ansehen ↗Rechts liegen ein Feldtelefon und Messgeräte. Der Pass nennt das Telefon TA‑57, ein Radiometer und ein Ladegerät für Dosimeter ID‑7 (SD‑5).
Objekte aus der Nähe ansehen ↗Leuchte, grüne Uhranzeige, Aschenbecher und Vase bilden eine zweite Ebene. Laut Museumspass wechselt warmes Licht im Ausstellungsraum zu UV-Licht und macht lumineszierende Details sichtbar.
Objekte aus der Nähe ansehen ↗Das Bild zeigt die warme Beleuchtung. Die UV-Beleuchtung der Installation ist in der Ausstellung zu sehen.
02 / SCHUTZ
Zwei Figuren, zwei Ausrüstungen. Wählen Sie eine Vitrine und entdecken Sie ihre Einzelheiten.
01 / Linke Vitrine
Ausrüstung zum Einsammeln radioaktiver Trümmer auf dem Reaktordach.
02 / Rechte Vitrine
Messgeräte, Schutzausrüstung und persönliche Gegenstände.
Visualisierung anhand eines Fotos des Museumsobjekts 03 / MESSUNG
Zuerst fällt der Blick auf den Zeiger. Dann erkennt man Skala, Schalter, Sonde und die abgenutzte Tasche. Wählen Sie eine Markierung und entdecken Sie die Funktion der Details.
04 / TECHNIK IM MODELL
Ein Kindheitstraum vom Weltall steht neben einer Maschine, die am zerstörten Reaktor arbeitete. Wählen Sie eine Markierung und entdecken Sie ihre Geschichte.
Visualisierung anhand eines Fotos des MuseumsdioramasLinks steht ein Spielzeug „Lunochod-2“, das Kinder Ende der 1970er-Jahre kannten. Rechts ist ein Modell des STR-1. Seine Konstrukteure nutzten Erfahrungen aus dem Mondfahrzeugprogramm, um radioaktive Trümmer dort zu räumen, wo Menschen nicht sicher arbeiten konnten.
Visualisierung anhand eines Fotos des MuseumsmodellsDer KrAZ‑256B1‑030 war kein gewöhnlicher Kipper. Neben dem Modell stehen unter Glas eine Kugel aus Schutzglas und eine Bleiprobe. Wählen Sie ein Objekt aus.

Ein echter KrAZ‑256 in der Tschornobyl-Zone, 2010. Dieses Fahrzeug hat ein gewöhnliches Fahrerhaus. Die Spezialversion von 1986 zeigt das Werksarchiv.
IAEA / DANA SACCHETTI · CC BY-SA 2.0 ↗05 / ARCHIV
„Der Umzug, dem der Tod zusah“ erzählt von der Maidemonstration auf dem Chreschtschatyk in Kyjiw am 1. Mai 1986, nur fünf Tage nach dem Unfall von Tschornobyl. Im Zentrum der Vitrine liegt eine echte Einladung zur Regierungstribüne, umgeben von Fotografien und Festtagsgegenständen.
Ausstellungsvisualisierung nach Museumsobjekten Die originale Einladung zur Regierungstribüne bildet den stillen Mittelpunkt. Persönliche Namen sind unkenntlich; das Dokument und sein Datum stehen im Vordergrund.
Ganze Geschichte und BildDie Fotografien zeigen die Maidemonstration in Kyjiw. Fünf Tage nach dem Unfall zog die festliche Menge durch das Stadtzentrum.
Ganze Geschichte und BildWimpel, Bänder, Abzeichen, Taschenkalender und Postkarten erinnern an die offizielle Feier. Ihre leuchtenden Farben wirken heute anders.
Ganze Geschichte und BildDie Ausstellungsvisualisierung zeigt eine Titelseite vom 1. Mai. Zur Museumssammlung gehört auch eine Ausgabe von „Krasnoje Snamja“ vom 13. April 1986: Ihr Aufruf zum Feiertag erschien noch vor dem Unfall.
Ganze Geschichte und BildDas Chiffretelegramm Nr. 398 vom 1. Mai 1986 meldet die Strahlenlage nach Moskau. Neben den Festobjekten wirken seine nüchternen Zeilen besonders eindringlich.
Ganze Geschichte und BildEine nicht postalische Spendenmarke der ukrainischen Diaspora, 1987 in Detroit herausgegeben. Die Todesfigur und CHORNOBYL waren eine politische Reaktion auf die Katastrophe.
Ganze Geschichte und BildINTERNATIONALE RESONANZ / 1991
Eine kleine Medaille trägt Worte in mehreren Sprachen und eine Erinnerung, die weit über Tschornobyl hinausreicht. Daneben: Fotografien von Pierre Cardin und sein Autogramm.
1986 und 1991. Die Inschrift erinnert in mehreren Sprachen daran, dass sich die Katastrophe nicht wiederholen darf.
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Ein Archivfoto zeigt Pierre Cardin in der Nähe des Kraftwerks von Tschornobyl.
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Ein signiertes Porträt von 1991; ein eigenes Zertifikat betrifft die Unterschrift.
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ALLTAG / KANTINE DES KERNKRAFTWERKS
In einer so großen Geschichte gerät das gewöhnliche Mittagessen leicht in Vergessenheit. Das Museum bewahrt Porzellan aus der Kantine des Kernkraftwerks Tschornobyl. Das rote Emblem auf Weiß erinnert an die Menschen, für die das Werk täglicher Arbeitsplatz war.
Auf Tellern und kleineren Porzellanstücken ist das rote Emblem zu sehen. Aus der Nähe erzählt dieses Detail mehr über den Ort ihrer Verwendung als jede Kulisse.
Die Porzellanfabrik Korosten stellte das Geschirr her. Hier zählen sowohl die Herstellermarke als auch die Gegenstände selbst: Sie erinnern an den Alltag im Werk.
06 / KUNSTINSTALLATION
Telefon, Lampe, Uhr und Fernseher. Der Kalender zeigt den 25. In der Installation „Prypjats letzte Nacht“ scheint der nächste Tag noch ganz gewöhnlich zu werden.
Kunstinstallation · Visualisierung anhand eines Fotos07 / KUNST UND KLANG
Masken fangen grünes Licht ein. In der Ausstellung wird der Plattenspieler Klänge von Tschornobyl spielen. Hier bekommt Erinnerung Form, Farbe und eine Stimme, die man vor Ort hören kann.


KUNST / LICHT UND DUFT
„Ukraine. Tschornobyl. Wiedergeburt“ von Julija Tschemerys zeigt zwei Ansichten. Im Licht blüht ein Baum. In der Dunkelheit treten leuchtende Äste und der Umriss des Kraftwerks hervor. Wechseln Sie das Licht und beobachten Sie die Veränderung.

Neben dem Bild stehen Flakons eines Tschornobyl-Duftes des Parfümeurs Jewhen Lasortschuk. In der Ausstellung lassen sich beide Ansichten und der Duft erleben.
Fotos des Bildes vom Museum; Flakons nach einem Objektfoto visualisiertEIN ANDERER BLICK / IWAN MARTSCHUK
Neben dem Gemälde, das sich in der Dunkelheit verändert, steht eine ganz andere Bildsprache. In Iwan Martschuks Werk treten Gesicht und Hände aus einem dichten Geflecht von Linien hervor. Öffnen Sie vier Details.

Das Gesicht erscheint nicht sofort. Es scheint aus Dunkelheit und feinen Linien zu entstehen.
Die Hände am Gesicht gehören zu den eindringlichsten Gesten der Komposition. Aus der Nähe halten sie den Blick fest.
Dicht gekreuzte Striche füllen fast die ganze Fläche. Aus der Ferne formen sie ein Bild; aus der Nähe werden einzelne Handbewegungen sichtbar.

Neben dem Bild steht Iwan Martschuks Autogramm. Öffnen Sie dieses Detail, um die Unterschrift auf dem vom Museum bereitgestellten Blatt zu sehen.
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DIE AUSSTELLUNG IST UNTERWEGS
Auf dem Bildschirm sieht man die Form eines Gegenstands. Vor Ort erlebt man seine Größe, sein Material und die Stille zwischen den Exponaten. Die Ausstellung reist durch Städte und Länder; Termine der nächsten Stationen erscheinen hier.
WIR SEHEN UNS DORT, WO MAN NÄHER HERANTRETEN KANN01 — 03 / Drei Installationen
Wählen Sie einen Teil des Saals und sehen Sie genauer hin.
Ein eigener Sockel lenkt den Blick auf eine einzige Handbewegung. Die Taste ist eine Nachbildung; ein Klick spielt die erste Minute des bereitgestellten Videos mit Ton ab.
Ausstellungsvisualisierung nach einer ObjektfotografieNach dem Drücken spielt YouTube die erste Minute ab. Das Museum hat die Aufnahme im Video nicht authentifiziert.
Originalvideo auf YouTube öffnen ↗Sechs Stücke stehen in Etuis auf dem unteren Vitrinenboden; dahinter hängen Fotos von Tschornobyl und Prypjat: eine Liquidatorenmedaille, zwei Slawutytsch-Teile, zwei Medaillen zum 25. Jahrestag und eine Münze aus Niue.
01 / NACH DEM UNFALL / TECHNIK
1986 entstand das erste „Objekt Ukryttja“ über dem zerstörten Reaktor. Drei Jahrzehnte später überwölbte es ein neuer Stahlbogen. Hinter beiden Bauten stehen Menschen und präzise Verbindungen.
02 / Foto eines Museumsobjekts
Ein echter Montagebolzen des Bogens auf einem Museumssockel. Die Konstruktion entstand abseits des Reaktors und wurde 2016 über Block 4 geschoben.
Über den Resten von Block 4 wurde eine Schutzkonstruktion errichtet. Ihre Abnahme erfolgte am 30. November 1986.
Der Neue Sichere Einschluss wurde abseits des Reaktors montiert, um die Strahlenbelastung der Arbeiter zu senken. Im November 2016 wurde er in Position geschoben.
Nach Abdichtung und Tests wurde der Bogen in Betrieb genommen und an die Ukraine übergeben. Er soll auch den Rückbau instabiler Teile ermöglichen.


EBWE-Film · Englisch · startet auf Wunsch
EBRD / Quelle ↗02 / DIE ZONE / FOTOGESCHICHTE
Fünfzig Aufnahmen leerer Straßen, Räume und Fahrzeuge in der Sperrzone. Sie entstanden 2018–2021; das Aufnahmejahr steht bei jedem Bild.
03 / DIE ZONE / TIERWELT
Die Sperrzone bleibt belastet und nur eingeschränkt zugänglich. Im Reservat werden jedoch Przewalski-Pferde, Luchse und Elche beobachtet. Drei Münzen der Museumssammlung erzählen davon.
Fünfzig Ansichten von Wildtieren, Wäldern und Grün, das in die Straßen von Prypjat zurückkehrt.
01 / Foto eines Museumsobjekts
Mehrere Herden werden im Reservat beobachtet. Münze und Begleitheft zeigen Tier und Lebensraum.
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02 / Foto eines Museumsobjekts
Der seltene, scheue Räuber wird unter anderem mit Kamerafallen nachgewiesen.
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03 / Foto eines Museumsobjekts
Elche gehören zu den größten Pflanzenfressern des Reservats. Ihre Spuren zeigen Veränderungen im Ökosystem.
Bild in voller Größe öffnen ↗04 / DER BOGEN / 14.02.2025
Am 14. Februar 2025 traf eine russische Drohne den Neuen Sicheren Einschluss. Verkleidung und Systeme wurden beschädigt. Das Foto des Kraftwerks zeigt die Einschlagstelle; nach dem Angriff wurden keine Werte über den Kontrollgrenzen gemessen.
Äußere und innere Hülle wurden durchschlagen. Ein Brand erschwerte die Reparatur.
Der Bogen hält radioaktiven Staub zurück und ermöglicht Arbeiten am alten Schutzbau. Beide Funktionen sind betroffen.
Kraftwerk, IAEO und internationale Partner bewerten die Schäden und bereiten Reparaturen vor.